Dienstag, 29. Juli 2014

Egal was ist, weitermachen.

Hallo ihr Lieben,

Wer hat eigentlich gesagt, dass ein Auslandsaufenthalt eine Achterbahnfahrt ist? Weil derjenige hatte verdammt nochmal recht. Auch ich gerade befinde mich am Boden meiner Fahrt und kann gerade vieles hier nicht so richtig genießen. Ich frage mich sogar sehr oft: "Warum habe ich das überhaupt gemacht?" Das Problem an der ganzen Sache ist, dass ich mit viel zu hohen Erwartungen an mein Auslandsaufenthalt herangegangen bin. "Beste Zeit deines Lebens.", "Diese Zeit wirst du niemals vergessen." Das ist was man immer zu hören bekommt.- Ob von verschiedenen Orgas oder Leuten, die einen Auslandshaltaufenthalt hinter sich haben. Also denkt man sich eben auch: "Das wird die beste Zeit meines Lebens." Aber dass man am Anfang ganz alleine da steht, verdrängt bzw vergisst man sehr leicht. Und so geht es mir gerade. Ich komme in ein ganz anderes Land, mit ganz anderen Menschen, ein ganz anderer Lebensstil. Und sofort soll man sich einordnen, integrieren und weitermachen. Aber das ist nicht so einfach wie man denkt. Zum Glück habe ich Null Probleme mit meiner Gastfamilie. Ich kann jetzt schon von ihnen behaupten, dass sie eine zweite Familie für mich sind. Aber mit Freunden hier ist das so eine Sache. Ich will jetzt nicht über die australischen Jugendlichen hier ablästern, aber ich will einfach meine Erfahrungen mit euch teilen. Denn es ist garnicht so einfach wirkliche Freunde zu finden. Das entscheidene Ding hier nämlich ist, dass die Leute hier wirklich immer nett sind. Und auch wenn sie angepisst, sauer oder genervt von dir sind, ist es immer eine Art gute Miene zum bösen Spiel. Und dann denkt man natürlich, dass es okay ist wenn man mit ihnen abhängt. Noch schlimmer ist dann die Enttäuschung, wenn man von anderen Leuten erfährt, dass diese einen garnicht dabei haben wollen. Oder noch schlimmer über soziale Netzwerke. Aber was ich hier noch viel schlimmer finde, ist, dass ich immer mehr das Gefühl habe, dass sehr viele Leute hier extrem oberflächlich sind. Hier geht es nämlich mehr um Wer was anhatte, Wann welche Party ist, Was man da denn anziehst, Was die eine über die andere gesagt hat, Wer was mit wem hatte und so weiter. Ich empfinde die Freundschaften zum Teil hier als sehr oberflächlich, die keine richtige Tiefe besitzt. Mein zweiter Eindruck ist bzw wurde mir auch schon von anderen so erzählt, dass es hier zwei verschiedene Gruppen gibt. Entweder du bist beliebt oder eben nicht.
Denn auch der Kleidungsstil hier ist naja sagen wir ein bisschen anders.. Ich würde einfach sagen, alles ein bisschen freizügiger und auch auf sozialen Netzwerken haben diese keine Scheu, Bilder zu posten.  Es ist einfach wie in so einem Teenagerfilm. Eine hat mir erzählt, dass sie eine Feindin besitzt, die ihr Haus mit Eiern abgeworfen hat.. Ich mein wo sind wir hier? Im Kindergarten?

Natürlich sind nicht alle Leute so. Natürlich bzw ich glaube stark, dass es auch sehr gute Freundschaften hier gibt.
Das zweite, was mir noch aufgefallen ist, ist das Aussehen der Leute hier. Alle hier sehen extrem und damit meine ich wirklich extrem älter aus, als sie in Wirklichkeit sind! Viele aus Grade 10 sehen aus als wären sie zwei Jahre älter und die Leute aus Year 11 und 12 als wären sie 20. Ich war wirklich geschockt, als Schüler in Year 11 erzählt haben, dass sie immernoch 15 sind..

Die Schule hier ist ein Thema für sich. Denn wenn ich ehrlich bin, mag ich sie garnicht so wirklich.. Sie ist okay aber das Problem ist, dass sie sehr einfach ist und ich damit sehr bzw zu viel Zeit habe zum nachdenken. So kommen sehr viele Zweifel auf und eben solcldhe Fragen wie warum ich das überhaupt mir alles angetan habe. Denn es ist wirklich nicht leicht und gerade der Anfang ist ziemlich  hart. Ich denke man muss erst selbst  miterleben, was es heißt wirklich hier zu sein und dann sieht man mal wie hart das ist. Denn was einem irgendwie keiner sagt, dass gerade der Anfang des Austauschjahres auch viel "Allein sein" mit sich bringt. Ob in den Pausen, Nachts, nach der Schule. Es kommt viel Zeit zum Nachdenken auf und man ist hauptsächlich mit sich selbst allein.
Man setzt sich vielleicht mit Dingen auseinander von der Vergangenheit, Überlegt was für ein Mensch man früher oder jetzt noch ist usw. Es ist nicht einfach.
"Aber du bist doch in Australien."
Natürlich aber das heißt doch nicht gleich, dass Australien das alles weg macht. Australien ist  ein Land wie jedes anderes, wenn man es genau nimmt.
Wenn man mich jetzt fragen würde, ob ich es nocheinmal machen würde, würde ich ganz ehrlich antworten. Ich weiß es nicht. Es ist gerade alles ziemlich schwer, ich setze mich mit mir selbst auseinander, dann habe ich die große Aufgabe eine Art Leben hier aufzubauen, dann erwarten die Lehrer hier, dass man in jedem Fach Arbeiten mitschreibt, man soll sich also integrieren, Englisch muss man die ganze Zeit sprechen, was sehr anstrengend sein kann, weil man sich einfach die ganze zeit konzentrieren muss.
Ihr seht gerade bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich einfach zu hohe Erwartungen an meine zeit in Australien hatte.
Was ich abschließend sagen kann, ist, dass ich meinen Platz hier noch nicht gefunden habe, in meiner Gastfamilie habe ich ihn,aber in der Schule fühle ich mich sehr Fehl am Platz. Ich hoffe instädig, dass sich das noch ändert.
Aber wir werden sehen.




Kommentare:

  1. Als ich gerade deinen Post gelesen hab, hab ich mich zurückversetzt gefühlt an meine Anfangszeit im Ausland. Mein größtes Problem war zwar die Sprache, weil ich erst das dritte Jahr Französisch vor mir hatte und der Unterricht in den vorhergehenden Jahren nicht so prickelnd war. Aber mit dem Freundefinden hatte ich auch große Probleme. Ich war in den ersten Wochen immer mit zwei Mädchen zusammen, mit denen ich aber (wegen der Sprache) kaum geredet hab. Deswegen hab ich mich immer wie ein fünftes Rad am Wagen gefühlt.
    Meine Familie war super nett, aber ich hab mich trotzdem immer wie ein Gast gefühlt und nicht wie ein Familienmitglied, wie das immer alle anderen Austauschschüler berichten.

    Noch etwas: ich hab mich während meiner Zeit in Frankreich annähernd zu einem Einzelgänger entwickelt. Jetzt, fünfeinhalb Monate nach meiner Heimkehr, merke ich das extrem. Und seit ich das vor ca. 2 Monaten gemerkt hab, steigt mein Selbstbewusstsein. Der Auslandsaufenthalt an sich hat nichts an meinem Selbstbewusstsein geändert, obwohl man das so oft hört. Was ich damit sagen will: Jeder macht eigene Erfahrungen, was der eine im Ausland empfindet, kann beim nächsten schon wieder ganz anders sein. Deswegen such dir die Punkte, die dir Spaß machen und gefallen, dann fährt die Achterbahn ganz schnell wieder aufwärts :)

    Ich wünsche dir viel Glück, dass es bald wieder aufwärts geht. Und selbst wenn es in der Schule oder mit Freunden nicht so klappt, wie du es dir vorstellst, genieß einfach deine Zeit in der Familie.

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  2. Hey als ich deinen Eintrag gelesen habe, dachte ich, der kam von mir :) Genau SO habe ich mich die erste Zeit auch hier gefühlt. Die Leute sind eben komplett anders als bei uns zu Hause... Ich war für 6 Monate in Sydney auf der High School und du hast Recht: Sie sehen älter aus.. aber sein wir mal ehrlich.. geistlich sind die leider immer noch in der Grundschule. Ich hatte in meiner Schule auch nur ganz wenige australische Freunde aber dafür hatte ich viele Freunde, die auch dort Austauschschüler waren; Brasilianer, Deutsche usw. Und mit der Zeit akzeptiert man Australien einfach und ich muss ganz ehrlich sagen, dass von meinem anfänglichen Hass auf Australien nichts mehr übrig ist. Im Moment bin ich in Brisbane und mache Work experience, in einer Woche kommt meiner Familie hier her und wir machen Urlaub... Ich habe gar keine Lust Australien zu verlassen. Leider hatte ich nicht das Glück, dass ich meine erste Familie mochte, weswegen ich ein Mal wechseln musste (was ich viel früher hätte tun sollen)..
    Trotzdem hatte ich exakt deine Eindrücke auch. Ich weiß nicht, wie lange du noch in Australien bist, aber wenn ich dir einen Tipps geben kann, dann wären es: Geh am Wochenende raus, suche außerhalb der Schule nach Freunden, halte dich an ältere, etwas reifere Personen und ich weiß, das sagen sie alle zu dir: Sei doch mal froh, dass du die Chance hast! aber es ist leider die Wahrheit. Diese Zeit wirst du nie wieder haben, und die Reise war es definitiv wert, glaub mir! Ich war vorher ein halbes Jahr in Chile und ich wünschte, ich hätte NOCH mehr daraus gemacht. Und genau deswegen musst du versuchen, etwas daraus zu machen. Sofort ;) Akzeptier endlich wie schön dein Leben ist und sei dankbar jeden Tag :) Das wird schon.

    Sorry für den langen Text

    Nori <3

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  3. Liebste Lea, "kopf hoch, sonst fällt das Krönchen runter" - dieser Spruch müsste dir bekannt sein ;) Aller Anfang ist schwer, man sollte trotzdem versuchen, das Beste rauszuholen! Keep doing. Ich glaube an dich, deine Jasi :)

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